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    EMG-Aktivität - ein brauchbarer Maßstab?

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    human vegetable
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    EMG-Aktivität - ein brauchbarer Maßstab?

    Beitrag  human vegetable am Sa Nov 08, 2014 11:57 pm

    Immer wieder gibt es Artikel, die Übungen anhand der gemessenen EMG-Aktivität bewerten, und daraus Ranglisten der besten Übungen für bestimmte Muskelgruppen aufstellen. Jüngstes Beispiel: http://aesirsports.de/2014/11/emg-optimiertes-krafttraining-teil-1-die-besten-uebungen-fuer-eine-breite-brust/

    Einerseits glaube ich schon, dass EMG-Aktivität grobe Hinweise dazu liefern kann, ob eine Übung prinzipiell tauglich ist, um einen Muskel gescheit anzusprechen. Mehr aber auch nicht, denn es gibt einige Probleme:

    Soweit ich weiß, ist EMG-Aktivität individuell sehr verschieden, und die in Studien ermittelten Durchschnittswerte für den Einzelnen nur sehr bedingt aussagekräftig. Soll heißen: Für DICH könnte die Übung auf Platz 5 die höchste Aktivität liefern.

    Dann noch ein zweiter, wesentlich grundsätzlicherer Kritikpunkt: Eine möglichst hohe absolute Aktivität des Zielmuskels ist wesentlich weniger wichtig als seine relative Aktivität im Vergleich zu den Synergisten.

    Ein konkretes Beispiel: Negativbankdrücken vs. positives Schrägbankdrücken. Seit Jahrzehnten wird Schrägbankdrücken in der Praxis als tauglichste Variation für die obere Brust angesehen. Nun sagt uns die EMG-Forschung, Negativbankdrücken sei angeblich besser, weil hier wesentlich höhere EMG-Werte erzielt werden (siehe obiger Artikel).

    Meiner Meinung nach liegt die Wissenschaft hier FALSCH, und die Praxis hat recht!

    Es mag zwar sein, dass aufgrund der höheren Trainingsgewichte die EMG-Aktivität beim Negativdrücken insgesamt höher liegt, aber wenn es auf das Satzende zugeht und die Übung schließlich abgebrochen werden muss, dann nicht weil die obere Brust ans Muskelversagen kommt. Wenn man hingegen beim positiven Bankdrücken an die Grenzen kommt, ist die obere Brust bei guter Technik das schwächste Glied. Es ist bekannt, dass die EMG-Aktivität bei gleichbleibendem Trainingsgewicht mit der Muskelermüdung ansteigt (d. h. die ersten Wdh eines Satzes mit hohem Gewicht liefern weniger Aktivität als die letzten Wdh kurz vor MV mit einem niedrigeren Gewicht, siehe dazu hier: http://ergo-log.com/strength-athletes-don-t-need-at-failure-sets-to-achieve-growth.html). Also ermüdet Schrägbankdrücken die obere Brust wesentlich effektiver als Negativbankdrücken - bei letzterem kommt man mit der oberen Brust nie wirklich ans Limit.

    Q. E. D.

    Also scheint es meiner Meinung nach wesentlich sinnvoller, solche Übungen zu bevorzugen, bei denen der Zielmuskel spürbar ermüdet und sich beim Satzende als limitierender Faktor erweist. Dazu sollte noch eine gleichmäßige Belastung über einen möglichst großen Anteil der Bewegungsamplitude gewährleistet sein. Da wir alle unterschiedlich verdrahtet sind und andere Körperstrukturen haben, können generelle Empfehlungen nur Hinweise sein, und das eigene Körpergefühl entscheidet.

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