Ich habe den Text einfach mal kopiert. Ich weiß gar nicht, warum ich da nicht schon eher drauf gekommen bin.
Die Leiden des jungen F.
Verschwinde von meinem Kniebeugeständer...
Von Frank-Holger Acker, 05.09.2009
Ich trainiere zur Zeit aufgrund eines nicht alltäglichen Biorhythmuses und der Tatsache, dass ich ein notorischer Alleintrainierer bin, in einem 24-Stunden Fitnessstudio. Da man mir in einem normale Studio leider keinen Schlüssel geben wird, dass ich auch nach 22Uhr noch wie mir gerade ist an die Geräte kann und der Preis der großen, deutschen Fitnesskette zugegeben unschlagbar ist, gibt es praktisch keine Alternative. Und was für unsere boxenden Milchschnittenboys aus der Ukraine gut ist, kann für mich ja eigentlich nur gut genug sein. Kurz um: Es ist an und für sich recht praktisch dort zu trainieren.
Doch die Tatsache im trainingstechnischen Auffangbecken der deutschen Studiolandschaft gelandet zu sein, birgt keinesfalls nur Vorteile. Ein jeder, der bereits einmal in der gelben Bananenkette trainiert hat, wird sicherlich die ein oder andere mehr als unterhaltsame Anekdote erzählen können.
Nun, für mich persönlich ist es streng genommen bereits das zweite Studio dieser Art, das ich mit meiner Mitgliedschaft bereichere. Mein ersten Erfahrungen machte ich 2006 in meiner Powerlifting-Wettkampfsaison, was auch wiederum zur Beendigung meiner Mitgliedschaft führte. Andere Mitglieder störten sich damals an Ketten, Equipment und durchaus manchmal einer schweren Kreuzhebenhantel, die nicht wie auf rohen Eiern abgelegt wurde. Man bat mich das Studio zu wechseln, was ich damals auch aus entsprechend eigener Unzufriedenheit tat.
"Nun gut, neue Stadt, neues Glück!" dachte ich. Also meldete ich mich aufgrund mangelnder Alternativen (bzw. solcher, die nicht ernstzunehmen waren – es ist ja nicht so, dass ich nicht gesucht hätte) wieder bei der gleichen Kette an. Und entweder liegt es an der deutlich anderen geographischen Lage meines aktuellen Wohnsitzes, oder der Tatsache, dass times really have changed!
Zumindest konnte ich mich nicht daran erinnern, dass ein bayrischer Autohersteller schon früher die Autoflotte für viele potentielle Trainierende produziert hätte, genauso wenig, wie an die Tatsache, dass Ed Hardy-Shirts inzwischen als Sportkleidung beworben werden. Aber gut. Andere Dinge haben sich dafür um so weniger geändert. Viel zu enge Shirts bei Typen, deren Bauchumfang größer als der Brustumfang ist, die Cardio-Miezen, die in einer Geschwindigkeit das Laufband besetzen, die ich bei jedem Gang zur Toilette überbieten würde, und die Besetzung des Powerracks. Sie wissen schon:
Powerrack, das: Trainingsgerät, das in ->Fitnessstudios in der Regel frei ist, solange kein ->Nicht-Bein-Trainierer ->Bizepscurls ausführt. [Quelle: Frank-Holger Acker: Neues Bodybuilding-Lexikon (work in progress)]
Und genau da liegt das Problem. Kommt man einmal ausnahmsweise nicht zu später Stunde trainieren, wird man nicht selten selbst bei den obligatorischen zwei Powerracks erst einmal warten dürfen wie zu DDR Zeiten, wenn es Bananen gab.
Und das nicht etwa, weil es mal wieder zum studiointernen Kniebeugewettkampf zwischen den Besuchern gekommen wäre, oder beim parallelen Good Mornings ausführen unglaubliche Gewichte bewegt werden würden. Nein, viel mehr werden die Langhanteln Deutschlands größter Fitnesskette mal wieder dafür missbraucht Langhantelcurls mit den kleinsten Scheiben, die man finden konnte, auszuführen. HALLO? Ich bin ein ruhiger und gesitteter Studiobesucher, doch das sind diese Momente, in denen ich solchen Typen mal gepflegt ins Gesicht spucken könnte.
Genauso wie die Situation, als mir vor wenigen Wochen aus dem verschlossenen Spind das Portemonnaie mit 10€ und diversen Papieren gestohlen wurde. Ich wusste nicht, worüber ich mich mehr aufregen sollte. Die Tatsache, dass bei zur Tatzeit fünf anwesenden Trainierenden niemand in der Lage war, die Leute mit Foto, Namen und Adresse aus dem Computer zu ziehen oder der Moment, in dem der Nachtwart mir selbst vorführte, wie ich ohne Weiteres die Schlösser anderer Trainierenden knacken könnte und erklärte, dass dies ein bekanntes Problem wäre. - Das sind die Momente, in denen die eigene Ruhe auf die Probe gestellt wird.
Nun, ich behielt sie. So, wie ich sie auch ein jedes Mal bewahre, wenn am Powerrack mal wieder um die Wette gecurlt wird und der vielleicht nutzloseste Muskel, den der Körper vorzuweisen hat, mit Hilfe des eng anliegenden Muskelshirts oder im Zweifelsfall durch die hochgekrämpelten Ärmel sich selbst, dem Spiegel und mir - der immer noch wartet - präsentiert wird.
Ich darf im Bananenstudio keine Geräte mit dem Handtuch reservieren, darf keine Straßenkleidung tragen und ich soll mich nach dem Training nicht im Waschbecken baden. Aber darf das Powerrack mit intensiven Curlbewegungen besetzen? Das ist wie in den Puff zu gehen, um dort zu wichsen.
Irgendwas läuft also ziemlich falsch. Kann nicht mal jemand die Milchschnittenboys darauf aufmerksam machen, dass sie darüber einen "Besser benehmen" Videoclip für den hauseigenen Channel drehen sollen? Oder warum nicht die ersten 15er Scheiben fest auf die Langhantel schweißen? Dann würde auch keiner der Experten mehr auf die Idee kommen, das Ganze für seine Curlversuche zu missbrauchen..
Natürlich ist das nichts neues, aber es ist eben immer wieder lustig.